Der Gewichtswebstuhl

Allen Authentikern sei im Vorfelde gesagt, dass uns durchaus bewusst ist, dass die Menschen im Frühmittelalter nicht mal eben in den nächsten Baumarkt gehen konnten um sich entsprechendes Material zum Bau des gewünschten Objektes kaufen zu können.
Nun, da wir ersteinmal ausprobieren wollen, ob und wie das Ganze mit dem Gewichtswebstuhl so funktioniert, musste der Baumarkt für dieses mal herhalten.
Spätere Versuche mit anderem Material sind allerdings nicht ausgeschlossen ;o)
Zuerst hieß es herauszubekommen, wie denn so ein Gewichtswebstuhl wohl aussah. Aus diversen Büchern erfährt man eigentlich nur, dass es keine Funde von gut erhaltenen Webstühlen gibt. Bisher wurden nur Steingewichte gefunden. Allerdings hat sich in einigen Naturvölkern die Form des Webstuhls bis heute erhalten, so dass man eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie so ein Webstuhl damals wohl ausgesehen haben mag.
In dem Buch "Das Leben der Wikinger" (erschienen im Nicol Verlag Hamburg) und im "Sehen, Staunen, Wissen" Band über die Wikinger (erschienen im Gerstenberg Verlag) finden sich recht brauchbare Abbildungen von Gewichtswebstühlen.

Benötigtes Material:

Seitenteile:
2 Holzbretter: 200 cm lang, 12 cm breit, 2 cm dick

Querverbindung:
1 Holzbrett: 120 cm lang, 12 cm breit, 2 cm dick

Tuchbaum-Gabel:
2 Holzbretter: 30 cm lang, 10 cm breit, 2 cm dick

Halterung Litzenstab:
2 Holzbretter: 35 cm lang, 12 cm breit, 2 cm dick

Trennstab + Litzenstab:
2 Rundhölzer: 2 cm Durchmesser, 130 cm lang

Tuchbaum:
1 Rundholz : 4 cm Durchmesser, 150 cm lang

Kurbel am Tuchbaum:
1 Rundholz : 1,5 cm Durchmesser, 20 cm lang

1 Rolle Schnur oder Lederband

1 Paket Ton (10 kg)

Jede Menge Wolle.....

Diverse Schrauben...(jaaa, ich weiss..)
Holzwachs zum Imprägnieren des Webstuhls, wahlweise auch farbig um den Webstuhl später etwas älter ausehen zu lassen.
Schritt 1:

Die zwei 30 cm langen Bretter nehmen und eine "Gabelform" anzeichnen.
Diese beiden Bretter sollen später den Tuchbaum halten. Die angezeichnete Form mit einer Säge zurechtsägen. Die Sägekanten abschleifen.
Schritt 2:

Die beiden 200 cm langen Bretter auf einer Höhe von 100 cm mit 4 rechteckigen Löchern versehen.

Oben (20 cm unter dem Ende) zwei Löcher mit 0,5 cm Durchmesser bohren. Dorthin sollen später die Halterungen für den Tuchbaum.

Am unteren Ende ein Loch mit 1 cm Durchmesser bohren. Diese Bohrung ist optional, da sie später für die Schraube, welche die Qerverbindung halten soll da ist. Dieses Brett ist auf den uns bekannten Abbildungen nicht vorhanden. Wir haben es als Verstärkung der Standfestigkeit unseres Webstuhls angebracht, da unser Webstuhl ja mit zu den Märkten soll und dort mangels Wand nicht richtig fest an selbige gelehnt werden kann.


Die beiden 35 cm langen Bretter jeweils am Ende um einsägen, so dass ein Zapfen entsteht der später in eines der Löcher in den Seitenbrettern gesteckt wird um den Litzenstab zu halten.
In diese Bretter am oberen Ende eine "Einbuchtung" sägen, in die später der Litzenstab gelegt werden soll.

Schritt 3:

Oben an den Seitenbrettern die Tuchbaumhalterungen mit Hilfe von 2 Schrauben anbringen. Dann die beiden Seitenbretter auf den Boden legen und unten das kleinere Brett zur Verstärkung ebenfalls mit Hilfe zweier Schrauben anbringen. Jetzt hat man schon ein ungefähres Bild davon, wie gross dieser Webstuhl später sein wird.

Das Tuchbaumrundholz an der rechten Seite mit einem 1,5 cm grossen Loch versehen um dort das Tuchbaumkurbel-Rundholz einzufügen.

Den Webstuhl an einer Wand anlehnen und den Tuchbaum einhängen. Die beiden kurzen Bretter, welche als Litzenstab-Halterung dienen auch einstecken und zum Schluss den Trennstab mit Hilfe der Schnur/des Lederbandes an einem der unteren Löcher befestigen.

So ist der Webstuhl schon so gut wie fertig.

Schritt 4:

Den wieder auseinander gebauten Webstuhl nun mit dem Holzwachs bemalen. Wir haben für unseren den Farbton "Kiefer" gewählt. Ist Geschmacksache. Es empfiehlt sich, den Webstuhl vorm Bespannen zu Wachsen (nicht so wie ich...grmbl).
Wer mag kann den Webstuhl noch mit diversen Verzierungen versehen.

Schritt 5:

Die Gewichte waren aus Steinen mit Löchern in der Mitte, oder aus Ton hergestellt.
Magels gelöcherten Steinen, oder der Möglichkeit Löcher in gefundene Steine hinein zu bekommen, haben wir im nächsten Bastelmarkt einen 10 kg Klotz Ton gekauft und daraus die entsprechenden Gewichte gebaut.
Selbige kann man in guten Bastel- und Hobbymärkten später brennen lassen. Selbstbrennen im hauseigenen Backofen geht nicht! (eigene leidvolle Erfahrung)

Schritt 6:

Das Bespannen des Webstuhls ist eine a-b-s-o-l-u-t-e Fleißarbeit und auf gar keinen Fall eine geeignete Beschäftigung für ungeduldige Menschen.
Es heißt jetzt nämlich Wollfaden für Wollfaden oben am Tuchbaum zu befestigen. Einzeln wohlbemerkt!
Einige Webstuhlmodelle die ich mir angesehen habe, haben Löcher um die Fäden dort hinein zu Fädeln, oder Zinken um die Fäden besser zu trennen. Wir haben die Fäden "einfach" am Tuchbaum festgeknotet. Leute: Das dauert!

Wenn man diese Arbeit hinter sich gebracht hat, geht es an den Litzenstab. Dort wird jetzt jeder zweite Faden mit Hilfe eines weiteren dünnen Fadens am Litzenstab befestigt. Es sollten ca. 15cm Spielraum gelassen werden, damit sich später die Tasche bilden kann. Beim befestigen am Litzenstab auch gleich die Fäden vor und hinter den Trennstab legen (z.B. die am Litzenstab befestigten vorn, die losen hinten).

Wenn auch diese Arbeit beendet ist, darf man sich ersteinmal selbst auf die Schulter klopfen, weil man es geschafft hat ohne den Webstuhl vor Wut zu zerlegen (ich war mehrfach kurz davor).
Jetzt kommen die Gewichte zum Einsatz: jeweils vor und hinter dem Trennstab einzelne, nicht zu dicke "Strähnen" der Wollfäden an die Gewichte knoten.
So, nun kanns losgehen.